Mein Fachgebiet

IMG_5628  Traditionell gilt „das Sofa“ als Symbol für die Psychoanalyse, die sich Anfang des letzten Jahrhunderts unter Sigmund Freud als Behandlungsmethode seelischer Störungen etablierte. Mittlerweile legen sich die Patienten im Rahmen der modernen Verfahren Verhaltenstherapie und Tiefenpsychologie längst nicht mehr auf eine Couch. Meine Couch ist ein Familienerbstück, und ich freue mich jedes Mal, wenn ich in meine Praxis komme und sie im Wartezimmer erblicke.

Psychotherapie bedeutet, seelische und körperliche Probleme mithilfe psychischer Mittel so zu beeinflussen, dass Lösungen entstehen, Linderung und ein neues Selbstverständnis.

Für die Behandlung seelischer Störungen sind traditionell Psychiater, Neurologen und Nervenärzte zuständig gewesen. Es gab dann lange die Zusatzbezeichnung Psychotherapie, die Ärzte aus verschiedenen Fachrichtungen erlangen konnten. In den 90er Jahren wurde der neue „Facharzt für Psychotherapeutische Medizin“ eingeführt. Ich bin seit 2002 Fachärztin für dieses Fachgebiet. Bundesweit wurde etwas später die Bezeichnung „Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie“ eingeführt. Die Weiterbildungsinhalte beider Facharztbezeichnungen sind im Wesentlichen identisch. Zur Ausbildung sind ein abgeschlossenes Medizinstudium und danach mindestens 5 Jahre Weiterbildung notwendig, davon 1 Jahr Innere Medizin, 1 Jahr Psychiatrie und 3 Jahre in Psychosomatischer Medizin und Psychotherapie.

Die Fachärztin/der Facharzt behandelt auf wissenschaftlich fundierter Basis folgende seelische Erkrankungen:

  • Psychosomatische Erkrankungen
  • Somatoforme Störungen
  • Depressionen
  • Burn-Out-Syndrome
  • Angststörungen und Phobien
  • Zwangsstörungen
  • Posttraumatische Belastungstörungen
  • Ess-Störungen
  • Schmerzstörungen
  • Sog. Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
  • Emotionale Anpassungsstörungen
  • Seelische Probleme bei organmedizinischen Erkrankungen (z.B. Herzinfarkt, Krebserkrankungen, Diabetes, Rheuma, Multiple Sklerose)

Für mich ist das Fachgebiet der Psychotherapeutischen Medizin die beste Möglichkeit, als Ärztin „ganzheitlich“ zu arbeiten, d.h. den ganzen Menschen zu sehen, der in einem ganz bestimmten Lebenszusammenhang krank wurde. Wichtig ist mir, dass meine Patienten den therapeutischen Weg auf Augenhöhe mitbestimmen („partizipative Entscheidungsfindung“) und gleichzeitig die Sicherheit einer Halt gebenden therapeutischen Beziehung erleben.
Beeinflusst haben mich die Schriften Victor von Weizsäckers als Begründer der psychosomatischen Medizin, der bereits ab den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in seinen „anthropologischen Vorlesungen“ herausgearbeitet hat, dass es Sinn macht, sich bei jeder seelischen und auch körperlichen Erkrankung folgende Fragen zu stellen: Warum ist diese Erkrankung JETZT aufgetreten? Was muss, kann, soll und darf ich daraus lernen? Wie fügt sich meine Erkrankung in meine bisherige Lebenslinie ein? Und: Wie kann der Erkrankte mit seinen einzigartigen Ressourcen mit dieser Störung best möglich umgehen?!

Für viele verwirrend ist der Unterschied im Werdegang von Psychotherapeuten: Prinzipiell können sowohl Ärzte und als auch Psychologen sich über die Kassenärztlichen Vereinigungen in Deutschland als Psychotherapeuten gesetzlich niederlassen. Die einen heißen dann Ärztliche Psychotherapeuten, die anderen Psychologische Psychotherapeuten. Beide Berufsgruppen haben aufwändige Aus- und Weiterbildungen absolviert, so dass das Behandlungsspektrum in etwa gleich ist.

In Deutschland waren bisher (nur) 3 Therapiemethoden  als „Kassenleistung“ anerkannt, weil sie in wissenschaftlichen Studien genügend Evidenz für Wirksamkeit zeigen konnten: Verhaltenstherapie (VT), Tiefenpsychologie (TP), Psychoanalyse (PA). Neu wurde Ende 2014 nach Bewertung des Gemeinsamen Bundesausschusses die Methode EMDR  als neue GKV-Leistung aufgenommen. Seit 2003 bin ich für die Methoden VT und TP zugelassen. Seit Februar 2016 bin ich berechtigt, die Traumatherapiemethode EMDR in der verhaltenstherapeutischen Einzeltherapie durchzuführen.

Psychotherapeuten haben in den letzten Jahren im Vergleich zu den übrigen Fachärzten in der ambulanten Versorgung den mit Abstand stärksten Zuwachs an Patienten zu verzeichnen. Zwischen 2008 und 2014 ist die Zahl der Psychotherapeuten in Rheinland-Pfalz um rund ein Drittel (!) gestiegen. 24% der insgesamt 854 Psychotherapeutensitze entfielen auf ärztliche Psychotherapeuten, 18% auf Kinder- und Jugendlichentherapeuten. Mit 67% bilden die Frauen mehr als 2/3 der Fachgruppe. (Die Daten dieses Abschnitts stammen aus dem Ärzteblatt Rheinland-Pfalz 5/15, Redaktion Landesärztekammer Rheinland-Pfalz).