Die Ankunftszeit stimmt immer…

Während eines Seminars unterhielten wir uns einmal über Navigationssysteme, die wir beim Autofahren oder auch mal in einer unbekannten Stadt zu Fuß einsetzen. Ich bin sehr froh, dass es „Navis“ gibt, denn ich bin nicht gerade ein Orientierungswunder (also eher das Gegenteil eines solchen). In dem Gespräch ging es um die Zeitgenauigkeit der Ankunftszeit. Ein Teilnehmer sagte lächelnd: „Die Ankunftszeit stimmt immer“. Ich lachte spontan mit, aber dann fing ich an, nachzudenken. Was heißt das eigentlich? Ich benutze die App „Karten“ auf meinem Iphone, und tatsächlich: Während einer Reise an die Ostsee stimmte die Ankunftszeit auf die Minute genau, bei der Rückreise war der Navi eine Minute zu spät, aber das konnte auch am Aufrunden der Minute liegen. Während einer Fahrt nach Freiburg zeigte mein Navi plötzlich an, dass wir eine zusätzliche Stunde brauchen würden … und kaum las ich das, bremsten die Autofahrer vor mir und ein langer Stau war vor uns entstanden. Die Ankunftszeit stimmte, und wir konnten unseren Gastgeber vorwarnen, dass es wohl deutlich später würde als geplant. Wie weiß mein Navigator, wann ich ankomme? Er gleicht permanent über GPS in den Weltraum und zurück ab, wie schnell ich mich bewege, welche Staus gemeldet sind, welche Strecke vor mir liegt (das nennt man Geoinformationen), und rechnet dann irgendwie aus, wann ich ankomme. Natürlich verändert sich dieser Algorithmus während einer Fahrt fortlaufend. Sogar kurz vor Ankunft wird noch gerechnet und die Ankunftszeit angepasst. So weit, so banal. Oder? Ich komme ins Grübeln. Ich frage mich: Stimmt auch meine persönliche Ankunftszeit immer, nämlich das Ende meiner Lebensreise? Und: Ist es irgendwie vorausberechenbar, und mit welchen Daten wird es berechnet? Gibt es da oben im Weltraum eine Kraft, die das berechnet? Die vorausschauend ausrechnet, wie mein Leben verlaufen wird? Zugegeben ist das vielleicht ein düsterer oder religiös anmutender Gedankengang. Aber, mir fallen als Ärztin da einige Schlagworte ein: Prävention von Erkrankungen, gesunde Lebensführung, Vorsorgeuntersuchungen – alles das soll ja irgendwie dazu führen, dass wir möglichst lange und gut leben. Bestimmte Erkrankungen sind eben seltener, wenn wir gesünder leben. Das könnte in den Algorithmus eingehen. Aber mir fallen auch Schicksalsschläge ein und Erkrankungen, für die wir nichts können und die uns einfach heimsuchen.  Ist das so etwas wie ein Stau auf der Autobahn, der ohne unsere Schuld passiert, aber unsere persönlichen Ziele leider beeinflusst? Oder stehen solche Schicksalsschläge ebenfalls in einem größeren Sinnzusammenhang?

Viele Fragen an einem Novembersonntag. Welche Antworten geben Sie sich?

Herzliche Grüße,

 

Sabine Ott

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