Morgens im Radio …

Morgens im Radio… Wenn ich morgens aufwache und meinen Haus-Sender SWR3 anstelle, achte ich seit geraumer Zeit darauf, wie die Musik ist. Ob kraftvolle schnelle oder eher langsame, gedämpft wirkende Musik mit „wesentlichen“ Themen kommt. Daran lese ich meistens schon ab, ob es negative Nachrichten über Nacht gegeben hat. Heute zum Beispiel war mir schnell klar: Es ist etwas passiert. Dann kam die Meldung von dem Ereignis auf einem Weihnachtsmarkt in Berlin. Lieder wie Home von Nico Santos und Skyfall von Adele, Mercy von Shawn Mendes und Stressed out von Twenty One Pilots kamen heute Morgen. Ich bin traurig. Es wirkt unwirklich und unpassend, wenn die Moderatoren vom Wetter sprechen – ob die Sonne heute rauskommt oder nicht.

Einzelne können so viel Schreckliches bewirken, und die Mehrheit der Menschen, die einfach leben und lieben wollen und sich um sich selbst und ihre Angehörigen sorgen wollen, sind fassungslos und „ohn-mächtig“. 

In meiner Praxis habe ich eine Schiefertafel, auf der ich etwa jede Woche einen neuen Spruch aufschreibe. Was soll ich jetzt schreiben? Vielleicht: Gebt nicht auf! Glaubt weiter an das Gute und dass die gute Kraft sich durchsetzen kann! Tut das, was in eurer Macht steht! Denkt  nicht nur Gutes, handelt auch danach!
Warum nicht, denke ich. Klingt o.k., aber die Sätze wirken wie Beschwörungen und ermutigenden Beteuerungen. Kann ich etwas schreiben, das nicht wie ein indirekter Auftrag rüberkommt? Das von Herzen kommt? Das irgendwie schlichter und näher an der Traurigkeit ist? In erster Linie geht es mir jetzt um das Ausdrücken von Mitgefühl. Ich mag niemandem vorschreiben was wann zu tun ist. Vielleicht passt: Ich liebe das Leben. Ich bin voller Mitgefühl. Ich bin traurig.
Ich erinnere mich an einen früheren Blog-Beitrag von mir anlässlich der Suche nach einer Trauerkarte. Auch heute noch finde ich diesen Satz gut:
Das Licht der Liebe ist stärker als der Schatten des Abschieds. Vielleicht nehme ich das. 

De profundis.

Sabine Ott

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